Projekt MultiDynAssess-India
Mehrsprachiges dynamisches Assessment für Sprach- und Fachlernen: Umgang mit soziolinguistischer Vielfalt in indischen Grundschulen
Das Projekt konzipiert, implementiert und evaluiert mehrsprachiges dynamisches Assessment (DA) in indischen staatlichen Grundschulen. Untersucht wird, wie sich mehrsprachiges im Vergleich zu einsprachigem (englischbasiertem) DA auf den Sprach- und Fachlernerfolg von Kindern auswirkt. Durch die Ausrichtung an den gesamten sprachlichen Repertoires der Lernenden zielt das Projekt darauf ab, Bildungsgerechtigkeit zu fördern, und liefert Implikationen für mehrsprachige Assessmentpraktiken in Indien sowie in anderen sprachlich vielfältigen Kontexten des Globalen Südens.
Das Projekt untersucht das Konzept mehrsprachiger Testungen (Assemssments) in staatlichen Grundschulen in Indien, einem Kontext, in dem Englisch entweder als Unterrichtsfach oder als Unterrichtssprache fungiert. Die Schülerinnen und Schüler wachsen in einer hochgradig sprachlich vielfältigen Gesellschaft auf, in der individuelle Mehrsprachigkeit überwiegend im mündlichen Sprachgebrauch realisiert wird und Code-Mixing (Vermischung zweier oder mehr Sprachen im Sprachgebrauch) sowie Translanguaging (flexible Nutzung aller vorhandenen Sprachkenntnisse) zentrale kommunikative Praktiken darstellen. Demgegenüber sind schulische Assessmentverfahren bislang überwiegend einsprachig ausgerichtet und stehen somit in einem strukturellen Spannungsverhältnis zu den tatsächlichen sprachlichen Praktiken im Unterricht.
Ziel des Projekts ist es, dieses Spannungsverhältnis durch die Herstellung von Kohärenz zwischen Lehren, Lernen und Assessment zu adressieren, indem die gesamten sprachlichen Repertoires der Lernenden systematisch in Assessmentprozesse einbezogen werden. Zu diesem Zweck wird dynamisches Assessment als integrativer Bestandteil des Lernprozesses eingesetzt, das über traditionelle, statische Verfahren hinausgeht, indem es neben erreichten Lernständen auch Lernpotenziale erfasst. Die Untersuchungen stützen sich auf Unterrichtsbeobachtungen und einen Vergleich, der auf einer Längsschnittstudie beruht, mit traditionellen, statischen Assessmentverfahren in Schulen in Neu-Delhi und Guwahati bei Kindern der 4. Klassenstufe. Auf dieser Grundlage leistet das Projekt einen Beitrag zur Weiterentwicklung gerechter Assessmentpraktiken und zu einem erweiterten Verständnis von Lernen unter mehrsprachigen Bedingungen.
Ausgewählte Publikationen
- Torregrossa, J., Bongartz, C., & Eisenbeiß, S. (2025). Does “translanguaging” equal “reasoning in multiple languages?” Back to the basics of translanguaging as a way forward. Linguistic Approaches to Bilingualism, 15(1), 92–97. https://doi.org/10.1075/lab.24068.tor
- Torregrossa, J., & Carbonara, V. (2025). Exploring the benefits of translanguaging pedagogies on secondary-school students’ metalinguistic awareness: the role of language learning aptitude and vocabulary knowledge. Language Awareness, 34(4), 862–885. https://doi.org/10.1080/09658416.2025.2608085
- Torregrossa, J., Tsimpli, I., Mukhopadhyay, L., & Patil-Ingle, V. (submitted). Multilingual assessment of reading comprehension among primary school children in English-medium schools in India.
